Textgenese: Wichser! (1. unvollständiger Entwurf)

Es war ein guter Tag, bis er mir geschrieben hat;  Mittwoch war es.  Heute ist Freitag und ich weiß, ich hätte antworten müssen, dass er sich schleichen soll, dass wir beide uns längst nichts mehr zu sagen hätten.  “Noch nie war ich so glücklich gewesen über meinen Egoismus, der mich daran hinderte, mich umzudrehen und in eine Salzsäule des Mitleids verwandelt zu werden.”

Wo ist die Waffe, die Geli ermordet hat? Ich suchte sie, doch finde sie nicht mehr.  Doch ich erlebe seinen Traum, wie er mit offenem Mund vor seinem Herrn kniet oder noch viel lieber unter seinem Arschloch liegt. Ich habe Mitleid mit Ihnen, sofern Sie, wie ich, unter einer bildhaften Vorstellungskraft leiden. Lesen sie einfach mal den ?? Essai von Montaigne und sie verstehen diesen Satz. Wobei kaum etwas schwieriger als das Lesen ist, da man hierbei auf sich Selbst angewiesen ist. Man kann sich beim Lesen vieles fragen, doch mit alledem steht man alleine da.

 

Stellen sie sich vor, er bindet sich ein Röckchen um die schmalen Hüften. Seine Brust ist behaart, der Rücken auch – mit einem zarten Flaum blondgrauen Haars. Er ist groß und zierlich. Sein Penis sieht aus wie ein Kegel. Normal groß, soweit nichts Besonderes. Doch dann sieht er Sie an, legt sich flach ausgestreckt auf den Boden, macht den Mund auf und sagt kein Wort. Sie wissen, was er will, doch er sagt kein Wort. Sie sehen diesen Mann vor sich liegen wie einen Fisch –sprachlos, fasziniert und angegafft. Sobald sie aus dem Urwald zurück sind, stehen Sie maulaffenfeil da und sehen diesen Affen im Rock, der nichts sagt. Sehen Sie in seine Augen!

 

Er schrieb mir: „Wieso will mich denn niemand ficken?“ Man muss schon ein ausgesprochener Sadist sein, um einen solchen Menschen nicht zu verachten. Mitleid und Verachtung sind dasselbe.

 

Einigen wir uns nun, diesen Menschen, „asoziale Kreatur“ zu nennen! Zieren Sie sich nicht: Er ist blond, arisch, ganz bestimmt kein Jude. Er wählte die FDP und rief mich noch aus dem Wahllokal an, fragte, ob ich ihm sagen könne, was es mit der Erst- und Zweitstimme auf sich habe. Altersmäßig ist er mir eine ganze Bundestagswahl voraus. Er ist Magister, Anglist und unterrichtet  an einer deutschen Universität.

Haha! Ich habe schon viel erlebt, doch das war mir neu: Sein Kegel zog sich nach innen und wurde zu einem Trichter.  Es zog mich hinein. Vielleicht wird man paranoid und depressiv, wenn man sich selbst verleugnet, ich kann das nicht beurteilen.

Es war einmal: